Kirche Niepars

 

 

 

Der Ort Niepars
Der Ort Niepars, ca. 10 Km vor Stralsund und nur wenige Meter abseits der B 105 gelegen ist ein geschichtsträchtiger Handwerkerort, der im Jahre 2007 sein 725-jähriges Bestehen gefeiert hat. Er lädt viele Vorbeifahrende zu jeder Jahreszeit zu einem kurzen Abstecher ein.

 

 

Die Kirche

Kirche um 1880

Kirche heute

Die im 13. Jahrhundert errichtete dreijochige Basilika hat im Laufe der Zeiten stark ihr Äußeres verändert. So wurde das südliche Seitenschiff abgebrochen und die Scheidebögen vermauert. 1786 wurde der Turm wegen Baufälligkeit abgebrochen und an seiner Stelle ein Fachwerkbau gesetzt. Der zweijochige Rechteckchor wurde ursprünglich durch ein dreiteiliges Fenster von Osten beleuchtet, das jedoch 1726 zugunsten eines barocken Altaraufsatzes aus der Stralsunder Werkstatt des Elias Kessler vermauert wurde. Auch im Inneren der Kirche wurde in den Jahrhunderten viel verändert. Ebenfalls 1726 fertigte E. Kessler eine Kanzel. Chor und Schiff wurden mit Emporen versehen. 1867 bekam die Kirche eine Orgel aus der Stralsunder Werkstatt Mehmel, die 1999 aus Mitteln der Gemeinde generalüberholt worden ist. Mit Hilfe privater Spender und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sind an der Kirche zahlreiche Reparaturen durchgeführt worden. So wurde 1996 die nördliche Vorhalle (Eingang), die auch die kelchförmige Granittaufe aus dem 14. Jahrhundert beherbergt, saniert. 1997 wurde die Sakristei in der ursprünglichen Farbgebung wiederhergestellt. Im Jahre 2002 wurden die Fenster und besonders marode Teile des Außenmauerwerks repariert. Gottesdienste und kulturelle Veranstaltungen zeigen, dass die Kirche zu Niepars weit über ihre Grenzen Anklang findet. Dies macht Mut und zeigt, dass die Kirche noch 800 Jahre nach ihrer Erbauung lebendig ist.
Der Altar

Es ist ein zweigeschossiger Altaraufsatz aus Holz aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Das säulenflankierte Mittelfeld besteht aus einer plastischen Kreuzigungsgruppe vor einer gemalten Landschaft, im Auszug der auferstandene Christus, als Bekrönung das "Auge Gottes" und Wolken-Engelglorie, seitlich die Evangelisten. Im Sockel ist ein Abendmahlsrelief abgebildet. Am Fuße des Altars befindet sich eine Altarschranke mit Rocaillen.

In der Kirche befindet sich weiterhin ein Altarschrein (stark restaurierungsbedürftig), wahrscheinlich aus dem 17. Jahrhundert. Auf seinen Wänden sind Szenen aus der Geschichte Christi dargestellt.

Die Orgel

1867 bekam die Kirche eine Orgel aus der Stralsunder Werkstatt Friedrich August Mehmel, die 1999 von der Orgelbaufirma Rainer Wolter, Zudar/Rügen aus Mitteln der Gemeinde generalüberholt worden ist. Stolz sind wir auf die Mehmel-Orgel mit neugotischem Prospekt. An der Orgel war vor 1930 ein Blasebalg eingebaut. Er wurde mit der Hand bedient, was recht mühselig war. Nach 1930 wurde ein neuer Blasebalg mit Fußbetrieb gebaut. Heute ist er wieder in die Orgel eingebaut und elektrisch betrieben. 1945 war auch die Orgel arg in Mitleidenschaft gezogen: 50 Pfeifen waren ausgebrochen, geraubt oder zertrümmert. Unter  den Pastoren Prollius und Schaper wurden sie nach und nach von der Orgelbaufirma Grüneberg in Greifswald ersetzt. Die letzten großen Pfeifen wurden erst 1959 unter Pastor Johst eingebaut. 1964 wurde das neugotische Orgelgehäuse von Herrn Hans Schoknecht renoviert. Mit viel Sorgfalt und Sachverstand bemalte der Eisenbahner das Holz in seiner Freizeit mit hellem Grau und setzte Verzierungen farbig ab.

Die Glocken

Glockenstuhl

©R.B.Apitz, Federzeichnung 2005

Auszug aus: "Die Denkmalpflege in Pommern", 30. Bericht erstattet vom Provinzialkonservator Julius Knothe, Stettin 1931, Seite: 5, Kr. Franzburg

Die Pfarrkirche besaß zwei Glocken; die größere, gegossen von Gottlieb Metzger in Stralsund 1775, wurde im Weltkrieg 1917 abgegeben; die kleinere von 70 cm Durchmesser, gegossen von Jochim Metzger in Stralsund 1729, von recht guter Ausführung, wünschte die Gemeinde zu veräußern, nachdem sie ein neues Geläute beschafft hatte. Der Provinzialkonservator widersprach der Veräußerung und empfahl, die Glocke an eine andere Stelle überzuführen.

Im Jahre 1930 erhielt unsere Gemeinde ein neues Geläut, gegossen von der Firma Franz Schilling Söhne, Apolda, da unsere große Glocke im ersten Weltkrieg abgeliefert werden musste und die kleine Glocke gesprungen war. Bis Ende 1930 war die Betglocke (kl. Glocke) morgens, mittags und abends durch den Küster (Lehrer) gebeigert worden und hatte so die Arbeitszeiten der Dorfbewohner geregelt. Die Glockengießerei Apolda gestattete das Beigern mit den neuen Glocken nicht mehr, oder sie gewährte für die Glocken keine Garantie. Von nun an wurde die Betglocke nur noch abends durch den Kirchendiener geläutet. Die kleine Glocke, auf den Ton d gestimmt, ist aus Bronze gegossen und trägt die Inschrift:

Kommet her, höret zu alle, die ihr Gott fürchtet  1930

Die dazugehörige große Glocke musste im 2. Weltkrieg wieder abgegeben werden. Im Jahre 1959 war die Gemeinde wieder im Stande, diese große Glocke zu ersetzen. Die Firma Franz Schilling, Apolda, goss die Glocke, auf den Ton h gestimmt, aus Klangstahl. Im Juni 1959 kam die Glocke auf dem Bahnhof Martensdorf an. Von einigen Gemeindemitgliedern mit einer Girlande geschmückt, wurde sie auf einem Rollwagen in die Kirche geleitet, wo sie im Vorraum stand, bis ein Ingenieur der Glockengießerei ihr Aufhängen im Glockenstuhl leitete. Am 19.7.1959 feierte die Gemeinde die Glockenweihe. Die neue Glocke hat das Symbol Dornenkrone und Kreuz und trägt die Inschrift:

O Land, Land, Land höre des Herrn Wort. Jer. 22,29

Das Geläut beider Glocken gibt einen guten Zusammenklang. Mögen sie der Gemeinde lange erhalten bleiben.